Heliamphora - der Sumpfkrug
In einem Gebiet, fern von jeglicher Zivilisation, im Süden Venezuelas, erheben sich Kilometer hohe Tafelberge - von den Eingeborenen Tepuis ( Häuser der Götter ) genannt - wie riesige abgebrochenen Steinpfeiler in den Himmel. Die Wände dieser bizarren Gebilde fallen senkrecht ab, oft tiefer als 1000 Meter. Oben, auf den Flachen "Gipfeln" dieser riesenhaften Felspfeiler ist das Reich des Sumpfkruges. Dort wächst er in Sümpfen, Savannen oder lichten Wäldern, in einem Klima, das von heftigen Stürmen und stundenlangen Regengüssen, dann wieder brennender Sonne und Temperaturen von 12°-25°C geprägt ist.
Übersicht über die "Gran Sabana"
Wie alle Pflanzen dort im venezolanischen Hochland der Gran Sabana ist auch die Heliamphora diesen extremen Bedingungen bestens angepasst. Die dicken, festen Blätter, die sich im Laufe der Evolution zu kelchförmigen "Amphoren" umgeformt haben, halten der Zeitweisen Trockenheit Stand und auch der hohe UV-Anteil des Lichtes macht ihnen nicht zu schaffen.
Die Böden sind aufgrund der hohen Niederschläge so ausgelaugt, dass nur sehr genügsame Pflanzen wie Moose, Flechten und ähnlich alternative Pflanzen dort überleben können. In Felsrissen und Spalten in denen sich etwas Humus sammeln kann, wachsen auch größere dickblättrige Gewächse, wie zum Beispiel die teilweise über 10 Meter hohen Bonnetia-Bäumchen, die zu den Teegewächsen gehört. Der Auyan-Tepui beispielsweise ist fast völlig mit einem Urwald bedeckt, der fast Ausschließlich aus Bonnetia und einigen wenigen anderen Büschen besteht. Auf ihnen wachsen unheimlich viele Epiphyten wie Orchideen oder Ananasgewächse wie Catopsis oder Tillandsia. Wegen dieser absoluten Nährstoffarmut haben sich einige Pflanzen auf den Insektenfang Spezialisiert, so auch die Heliamphora.
Neben Sonnentau, Wasserschlauch, Genlisea, Catopsis und Brocchinia stellen sie die sechste fleischfressende Gattung auf den Tepuis dar. Insekten die bei der Nahrungssuche von der roten Farbe und dem Nektar des hutähnlichen Fortsatzes angelockt in den mit Wasser gefüllten Kelch fallen, ertrinken und werden von Bakterien aufgelöst. Die so freigesetzten Nährstoffe können von der Pflanze aufgenommen werden und helfen ( ist also nicht lebensNOTWENDIG ) ihr beim Wachstum.
Die Gattung Heliamphora ist bisher in 8 Arten unterteilt. Heliamphora minor, heterodoxa, hispida, ionasii, neblinae ( oft auch H. tatei var. neblinae genannt ), nutans, tatei und seit 2001/2002 auch H. folliculata. Des weiteren gibt es auch eine noch nicht näher beschriebene Art, H. spec. "Ilu Tepui" deren Bezeichnung sich auf ihren Fundort bezieht.
Die Kultur galt lange Zeit als extrem schwierig und wird auch heute noch oft als schwer beschrieben. beachtet man dabei aber ein paar grundlegende Hinweise, dann ist die Kultur des Sumpfkruges gar nicht so schwer. Da die Pflanze sehr an die klimatischen Bedingungen auf den Tafelbergen angepasst ist, sollte man versuchen, diese so gut wie möglich nachzuempfinden.
| Das bedeutet: | -ganzjährig kühle Temperaturen von 20°-25°C Tags und 10°-15°C in der Nacht |
| -möglichst hell, am bestens Zusatzbeleuchtung | |
| -sehr luftfeucht ( 70-80% rel.), das bedeutet ein Terrarium muss her ( kann zeitweise auch auf 50% sinken, um ein Verweichlichen zu verhindern, sollte aber nciht der Dauerzustand sein! ) | |
| -lockeres und durchlässiges Substrat |
Beim Gießen sollte man wie bei allen anderen Karnivoren auch auf möglichst weiches, kalkarmes Wasser achten. Heliamphora darf ruhig üppig gegossen werden, wobei auch in den Schläuchen immer etwas Wasser stehen muss. Dieses macht sie vermutlich auch widerstandsfähiger gegen trockeneres Klima und Wärme.
Der Sumpfkrug wird eigentlich recht selten von Krankheiten wie Fäulnis befallen, was auch an den ganzjährig kühlen Temperaturen liegen kann, sollte es aber trotzdem zu einem Faulen der Wurzeln kommen, hilft nur ein ausputzen der befallenen Stücke und ein eventuelles Neues Bewurzeln, falls das gesamte Wurzelwerk beschädigt sein sollte. Anzeichen hierfür sind ein schlechtes Wachstum und eine Welke Erscheinung der Pflanze. Nach einer solchen Aktion wird die Pflanze erst mal mit einem Absterben der Blätter reagieren, was aber bei guter Kultur nicht weiter bedenklich ist, da sie schon nach einigen Monaten wieder einer gewisse Zahl an Krügen hat.
Eine weitere Plage bei Heliamphora sind ( meistens im Winter ) Blattläuse, die mit herkömmlichen Mitteln bekämpft werden können ( am besten ein Natürliches Gift oder Ölpräparat verwenden ). Bei nicht all zu großem Befall und wenig Gefahr für die Pflanze ( bei kleinen oder geschwächten Pflanzen können sie aber so sehr geschwächt werden, dass sie absterben ) kann man sie auch durch regelmäßiges "Absammeln" ( im Grunde genügt es, sie zu zerdrücken und von der Pflanze zu entfernen ) in den Griff bekommen. Das sicherste Kennzeichen für Blattläuse sind verkrüppelte und gewellte Jungtriebe, teilweise mit gelblich-weißen Flecken.
Oft werden Heliamphora auch zu dunkel kultiviert, was sich dadurch erkennbar macht, dass die Schläuche nicht ihre charakteristische Form, Farbe etc. entwickeln und das Hütchen gar nicht oder nur als kleiner Zipfel vorhanden ist. Die Schläuche sind meistens völlig grün und stark trichterförmig und auch der untere Teil bleibt sehr schlank und die deutliche Einschnürung in der Schlauchmitte bleibt aus. Das obere Ende ist extrem weit gedehnt. Eine gesunde Heliamphora hat tiefrot gefärbte Hütchen und Schlauchränder, einen eher gedrungenen Bau und eine golden schimmernde Behaarung. Diese Kennzeichen können von Art zu Art weniger oder mehr sichtbar sein. Besitzt der Sumpfkrug aber eine orange-rötliche bis tiefrote Färbung und große Hütchen ist die gebotene Lichtmenge in Ordnung. Eine Zusatzbeleuchtung durch Natrium-Dampf (-Hochdruck) -Lampen ist angemessen. Die Pflanzen brauchen aufgrund der Höhe ihres natürlichen Vorkommens relativ viel UV-Licht um sich auszufärben.
Als Substrat benutze ich Torf, der mit Perlite, Sand und ähnlichen Zusätzen "gestreckt" und aufgelockert wird. Teilweise stehen die Pflanzen auch in reinem lebendem Sphagnum. Große Unterschiede bemerkt man nicht. Nur sollte man auf ein lockeres Gemisch achten, um ein Faulen der Wurzeln zu verhindern.
Heliamphora kann immer im Anstau stehen, was aber nicht ratsam ist, weil das Wasser schlecht werden kann und so Fäulnis und Schimmel begünstigt werden. Aus diesem Grund ist eine Kultur in feuchtem Substrat vorzuziehen. Achtet man aber auf immer gutes Wasser und entsprechende "Belüftung" der Wurzeln ( lockeres Substrat ), so kann auch im Anstau bewässert werden.
Zur Luftfeuchtigkeit bleibt zu sagen, dass Heliamphora es sehr feucht mag. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 70% sollte im Durchschnitt schon im Terrarium herrschen. Ein Tägliches Überbrausen mit einem Zerstäuber mag Heliamphora sehr gerne, man sollte ihr nur etwas Zeit geben um wieder abzutrocknen, damit sie nicht für Pilze und ähnliches anfällig wird. Ein Ultraschallzerstäuber ( Mininebler ) kann hier abhelfen. Er steigert die Luftfeuchtigkeit und ersetzt durch den Nebel auch das Überbrausen. Durch die Verdunstung wird es zusätzlich auch noch wenige Grad kühler.
Man sollte auch darauf achten, dass immer etwas Wasser in den Schläuchen des Sumpfkruges ist, da es einerseits für die Verdauung nötig ist, und andererseits auch als Wasserspeicher und Wärmeblocker dient. Untersuchungen an frei lebenden Pflanzen haben ergeben, dass Sumpfkrüge mit Wasser sehr viel resistenter gegenüber "Hitze" waren als die, die keines im Schlauch hatten.
Die Vermehrung der Heliamphora, erfolgt auf mehrere Arten:
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Saat |
noch keine Erfahrung |
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Ableger |
Ableger werden bei einigen Arten ( H. heterodoxa, H. minor, sämtliche Hybriden ) recht oft gebildet. Hierbei entspringt dem Zentrum der Mutterpflanze ein weiterer Spross, der mit der Zeit nach außen wächst und sich schließlich von der Mutterpflanze teilt. Dieser Ableger kann dann einzeln gepflanzt werden. |
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Stecklinge |
Eine weitere Art der Vermehrung ist die über Stecklinge. Dies darf man aber nicht so verstehen, dass man einfach ein Stück der Pflanze in Substrat steckt und dieses dann einfach weiterwächst. Es handelt sich viel mehr um eine Art Ableger, der aber nicht separat wächst, sondern immer ( oder zumindest lange ) an das Rhizom der Mutterpflanze gebunden ist. Diese entstehen durch das Austreiben der "schlafenden Augen", die, wenn alte Schläuche entfernt werden, zum Vorschein kommen. Es handelt sich hierbei um kleine spitze Gebilde, meist weiß bis leicht rötlich. Werden sich durch das nun auf sie treffende Licht "geweckt", so fangen sie an auszutreiben und neue ( juvenil- ) Schläuche zu bilden. Will man nun eine neue Pflanze haben, kann man diesen neuen Trieb ( wenn er groß genug ist ) abtrennen und bewurzeln. Dazu geht man wie bei Pflanzen vor, die ihre Wurzel verloren haben. Die Schnittstelle wird zuerst mit Holzkohlepulver desinfiziert und die Pflanze danach in lebendes Sphagnum gesteckt ( bis jetzt die besten Ergebnisse ). Nach einiger Zeit bilden sich neue Wurzeln und die Pflanze kann eingetopft werden ( ! Vorsicht, Die Wurzel ist sehr zerbrechlich und diese Prozedur zu wiederholen kann einem nicht nur die Nerven, sondern auch der Pflanze das Leben kosten, oder sie zumindest stark schwächen ! ) |
So, nach den ganzen tollen Tips ein paar Erfahrungen, die mich zu dieser Meinung gebracht haben:
Mein bisher härtester Fall war eine H. hispida, die ich als mehrtriebige Jungpflanze bekam. Doch schon nach kurzer Zeit ließ sie die Blätter hängen, worauf ich sie auf Herz und Nieren untersuchte und schließlich feststellen musste, dass das Substrat in dem sie geliefert wurde ( war zwar nicht viel, nur um die Wurzeln herum etwas ) stellenweise zu faulen begonnen hatte, aus welchem Grund auch immer. Das selbe bemerkte ich auch bei einer H. nutans. Also, was sollte ich tun? Entgegen der Grundregel, niemals an den Wurzeln herumzuspielen ging ich her und wusch sämtliches Substrat vorsichtig vom Wurzelwerk ab und setzte sie wieder in das gereinigte Substrat ein. Wegen dieser Radikalkur wurden erst mal alle Blätter welk und vertrockneten, doch die neuen Triebe wuchsen alle schön und normal, auch wenn es etwas dauerte, bis sie wieder auf dem Damm waren. Doch es hatte nicht sollen sein. Schon bald machten sich Blattläuse, die ich irgendwie eingeschleppt hatte über das arme geschwächte Pflänzchen her und brachten es trotz Gegenmaßnahmen zum Krüppelwuchs und welken. Doch auch das ging vorbei und sie begann wieder zu wachsen, wie vorher auch schon. Aber die Blattläuse kamen wieder und bevor ich überhaupt etwas machen konnte waren sie schon so weit, dass die Pflanze wieder anfing zu verkrüppeln! Ich sammelte also täglich jede noch so kleine Laus ab die ich sah. Aber irgendwie hat sie das dann nicht verkraftet und entschied sich zu meinem Entsetzen dazu, einfach mal zu sterben.
Alle anderen Heliamphoras wachsen gut. Nur eine H. tatei, deren Wurzel einen Schaden hatte als ich sie bekam, wollte ums verrecken ( im wahrsten Sinne das Wortes ) keine neuen Wurzeln bilden. Sie kam also in eine Gefäß, in dem Sphagnumschnipsel waren und eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschte. Aber auch hier wollte sie über ein halbes Jahr lang keine neuen Wurzeln bilden. Doch dann haben sich, nachdem ich letztendlich das letzte Stück des Rhizoms, welches wohl auch nicht mehr so gut war und daher nicht Wurzeln schlagen wollte, abgeschnitten habe, erste Fortschritte gezeigt. Nach nur wenigen Wochen kam knapp nach der Schnittstelle ( diese wurde mit Holzkohlepulver zur Desinfizierung betupft, möglichst dick auftragen, damit auch die gesamte Schnittfläche bedeckt ist ) ein kleiner weißer Fortsatz heraus: Eine WURZEL!!! *freu* ( kleiner Nachtrag: War wohl etwas zu freudig, die Wurzel ist durch meinen zu großen Eifer wieder abgebrochen, sie wird zur Zeit in lebendem Sphagnummoos wieder bewurzelt )
Das aber nur als negatives Beispiel, damit nicht jeder denkt, dass es sooooo einfach ist, diese Pflanze zu Kultivieren. Einen Fehler vertragen sie, zwei sind zu viel und beim dritten kann es zu spät sein, Vorsicht ist also oberstes Gebot. Aber keine Angst, es gibt auch einfachere Hybriden, mit denen es sicher kaum Probleme gibt ;-). dennoch ist ein Terrarium mit kühlen Temperaturen Pflicht!
Hier gibt es noch ein Paar Infos und Bemerkungen zu den einzelnen Arten: