Utricularia - Der Wasserschlauch
Der Wasserschlauch ist die schnellste Pflanze der Welt. Sein Fangmechanismus besteht aus einer Blase in der ein Unterdruck herrscht und deren Öffnung mit einem Deckel verschlossen ist. Seitlich der Öffnung befinden sich verzweigte Sinnesorgane, welche, wenn sie berührt werden ( z.B. durch einen Wasserfloh ), diesen Reiz aufnehmen und den Deckel zum Öffnen veranlassen. Durch den Unterdruck wird alles was sich vor der Öffnung befindet in die Blase gezogen. Das alles geschieht in weniger als 3/100 Sekunden! Das Wasser, das mit hinein gelangt wird aus der Falle herausgepumpt und die Beute zersetzt. Die Falle ist erneut einsatzbereit. Ist die Blase ganz gefüllt, stirbt sie ab.

Der Fangvorgang der Utricularia
Es wird im allgemeinen zwischen aquatischen, terrestrischen und epiphytischen Arten unterschieden. Auf die Knollenutricularien aus Australien möchte ich nicht eingehen, da ich davon keine Art besitze. Die Kultur sollte ähnlich aussehen, wie bei Knollendroseras, nur in der Wachstumsphase entschieden nässer. im Sommer ist ein völliges Austrocken des Substrates nötig. Die aquatischen Arten leben als schwimmende Pflanzen im Wasser und besitzen keine Verankerung im Boden. Die Blasen sitzen entweder an verzweigten Sprossen ( z.B. U. vulgaris ) oder an fadenförmigen Trieben als Geflecht ( z.B. U. gibba ). Die terrestrischen Utricularien wachsen unterirdisch als oft weitreichendes Geflecht aus Fäden an denen die Blasen sitzen. Diese sind kleiner als die der aquatischen, da sich in der feuchten Erde sowieso nur kleine Tiere bewegen können und Fallen in der Größenordnung von bis zu 1cm vollkommen unnötig wären. Die Blätter wachsen an der Oberfläche. Ebenso leben Epiphyten, nur dass diese auf Bäumen vorkommen.
Terrestrische und epiphytische Pflanzen werden noch in groß- und kleinblättrige Arten untergliedert. Die kleineblättrigen bilden oft massenhaft kleine Blüten, während die großblättrigen etwas blühfauler sind, dafür aber große, wunderschöne Blüten bilden, welche mit Orchideen gleichziehen können.
Auch wenn die Kulturmethoden der Utricularien stark differieren, da sie sehr weit verbreitet sind, so kann man doch einige allgemeine Tips geben. Genaueres findet ihr bei den einzelnen Arten.
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Licht |
Die meisten Utricularien wollen es zwar hell, aber kein direktes Sonnenlicht. Ein helles West- oder Ostfenster ist für die Kultur ausreichend. |
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Bewässerung |
Utricularien mögen es allgemein sehr feucht. Bei aquatischen Pflanzen erübrigt sich dieser Punkt, da sie vollkommen im Wasser schwimmen. Terrestrische Arten werden ständig im Anstau gehalten, können auch wenige Zentimeter überschwemmt sein. Man sollte aber dringend darauf achten, dass das Wasser nicht schlecht wird. Epiphytische Arten sollen etwas heikler sein, da sie weder nass noch trocken stehen wollen. Wenn man Pech hat, geht einem die Pflanze schnell ein. Es ist daher vielleicht zu raten, ein ähnliches Bewässerungssystem wie bei Drosophyllum zu verwenden, bei dem immer nur etwas Feuchtigkeit die Pflanzen erreicht. Das ist aber nur eine Vermutung, da ich selbst keine Epiphyten besitze. |
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Substrat |
Aquatische Pflanzen brauchen kein Substrat. Bei terrestrischen Arten am besten Torf mit einem großen Anteil an grobem Kies oder Quarzsand. Das Substrat sollte immer locker und Luftdurchlässig sein, da sonst Fäulnis droht. Großblättrige Arten können auch in Sphagnum gehalten werden, man muss nur darauf achten, dass die Pflanzen nicht überwuchert werden ( daher nicht für kleine Arten geeignet ). Epiphyten werden meist in einem mit Rinde und Sphagnum aufgelockerten Substrat gehalten, ich möchte mich aber nicht festlegen, da ich mit diesen Arten keine Erfahrung habe. |
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Temperatur |
Je nach Verbreitungsgebiet. Tropische Arten ganzjährig warm, bei 15-25°C. Subtropische Arten können ebenso gehalten werden. Winterharte Arten wollen im Winter eine Ruhepause bei etwa 5°C. Im Sommer 20°-30°C. |
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Luftfeuchtigkeit |
Wasserschläuche wollen eine hohe Luftfeuchtigkeit, so bei 60-80%. Viele Arten fangen in Terrarien mit genügend Feuchtigkeit regelrecht an zu wuchern. Winterharte Arten brauchen nicht unbedingt eine hohe Luftfeuchtigkeit, Man sollte diesen Punkt aber nicht überbewerten, man braucht nicht unbedingt ein Terrarium, damit die Pflanzen wachsen. Durch den ständigen Anstau steigt die Luftfeuchtigkeit direkt über dem Boden rapide an, nur bei Arten mit größeren Blättern kann das nicht ausreichen, da sie aus dem feuchten Bereich einfach herauswachsen. Aber Kleinblättrige Arten sollten ohne Probleme einfach so auf der Fensterbank kultiviert werden können ( Vorsicht! Es gibt sehr wohl auch Arten, die sich nicht damit zufrieden geben ). |
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Vermehrung |
Utricularien vermehren sich oft durch Ausläufer. Große Töpfe können einfach geteilt werden. Auch ist eine Vermehrung durch Abtrennen einzelner teile möglich, die einfach wieder ins Substrat gepflanzt werden. Bei großblättrigen Arten mit Rhizomen, können diese Geteilt werden. Die sicherste Art der Vermehrung ist aber immer noch die Aussaat, da bei den oben genannten Methoden natürlich die Pflanzen geschwächt werden. Gerade großblättrige Arten reagieren nicht sehr freudig auf Störungen, man sollte es also nicht übertreiben. |
Meine Utricularien:
U. bisquamata
U. calycifida
U. livida
U. sandersonii
U. subulata