Stefan und Sandra Pfeuffer öffnen Gastwirtschaft sonntags von 11 bis 18 Uhr
NEUSTADT/FORSTHAUS AURORA. 30 Jahre lang bekochte Gertrud Pfeuffer Wanderer, Jäger, Radfahrer, Waldarbeiter, Spaziergänger und Urlauber im Forsthaus Aurora. Vor sechs Wochen gab die 60-Jährige ihr Abschiedsessen: Wildscheinbraten. Seit Donnerstag zeichnen Stefan und Sandra Pfeuffer für die leckeren „Eier mit Speck, die Wildbratwürste und das Wildbret“ verantwortlich.
In der zweiten Familiengeneration führen die beiden das beliebte Ausflugslokal im Forsthaus Aurora weiter und werden sich ab sofort jeden Sonntag von 11 bis 18 Uhr um die Wanderer, Jäger, Radfahrer, Waldarbeiter, Spaziergänger und Urlauber kümmern, die das ehemalige Torhaus 500 Meter hoch im Wald über Neustadt und dem Hafenlohrtal besuchen.
Neu sind vielleicht die Gesichter, bewährt jedoch die Rezepte, die Gertrud Pfeuffer in die Hände ihres Sohnes und ihrer Schwiegertochter gelegt hat. Das Bier kommt jetzt aus Marktheidenfeld: Brauereichefin Maria Martin freute sich bei der offiziellen Eröffnung am Donnerstagmittag, dass die regionale Brauerei nach dem Forsthaus Sylvan mit dem Forsthaus Aurora jetzt das zweite Wanderlokal im Wald des Fürsten Löwenstein beliefert.
Die Weine, die die Wanderer im Forsthaus Aurora kredenzt bekommen, stammen aus den Lagen des Fürsten Löwenstein. Dieser ist auch Hausherr des ehemaligen Torhauses des Fürsten, das 1936 umgebaut worden war. Seither dient es als Forsthaus und ist neben den Häusern Hubertus, Diana, Sylvan und Schleiftor das fünfte dieser Art im 4300 Hektar großen fürstlichen Waldgebiet zwischen Neustadt und Esselbach. „Die Funktion eines Torhauses gibt es zwar heute nicht mehr in diesem Sinn, aber diejenigen, die hier oben wohnen, achten schon aus Tradition darauf, dass die Tore geschlossen sind“, erklärt Carl Friedrich Erbprinz zu Löwenstein. Er freute sich, dass die Gastwirtstradition im Forsthaus Aurora weitergeführt wird.
„Solche Wandergaststätten sind wichtig und gehören zum Spessart dazu“, erklärte er bei der Eröffnung am Donnerstag. „Sie sind eine zentrale Anlaufstelle sowohl für Wanderer, Spaziergänger als auch Radfahrer.“ Carl Friedrich Prinz zu Löwenstein und Stefan Pfeuffer kennen sich schon länger, denn als Jungen haben die beiden zusammen schon einige der rot/weißen Schranken im fürstlichen Revier gestrichen, erinnern sich beide.
Seit dem 11. November 1978 lebt die Familie Pfeuffer schon im Forsthaus hoch über dem Hafenlohrtal. Seitdem bewirtete Gertrud Pfeuffer die Gäste, die am Forsthaus Aurora Rast machten. „Wir freuen uns, dass wir das Forsthaus und die Gastwirtschaft weiterführen können“, sagte ihr Sohn Stefan, der Neustadter Revierleiter ist.
Er und seine Frau Sandra haben sich dabei schon etwas vorgenommen, denn bei ihnen gibt zurzeit die vier Monate alte Tochter Henrike den Ton im Hause Pfeuffer an. Trotzdem wollen die beiden die Gastwirtschaft sonntags von 11 bis 18 Uhr öffnen. Und wenn sie Hilfe brauchen, können sie auf die ehemalige Forsthaus-Chefin Gertrud Pfeuffer zählen. Sie kündigte schon bei ihrem Abschied an: „Wenn sie mich brauchen, bin ich da.“
Hintergrund: Forsthaus Aurora als Wanderziel
Das Forsthaus Aurora liegt in einem großen zusammenhängenden Waldgebiet zwischen Rechtenbach, Rodenbach, Neustadt und dem Hafenlohrtal. Es war früher das Zaunwärterhaus der Fürsten Löwenstein, um die Jagdgründe zu bewachen. Später lebten in dem Haus Förster, die sich um die Waldbewirtschaftung kümmerten. Seit dem ersten Umbau 1936 betrieben die jeweiligen Bewohner mehr oder weniger regelmäßig eine Schankklause.
Als Gertrud Pfeuffer am 1. Oktober 1978 mit ihrem 2001 verstorbenen Mann Karl-Heinz, der Forstamtsleiter war, die Schlüssel zum Forsthaus bekam, begann eine neue Zeitrechnung. Die Eheleute erweiterten den Wirtsraum, bauten den Kachelofen, richteten sich ein und bezogen das Anwesen, das einer Berghütte gleicht, am 11. November. Seitdem läuft die Bewirtung. Schließlich war Gertrud Pfeuffer die Tochter des Windheimer Hirschenwirts. Ihre beiden Söhne Stefan und Dirk wuchsen im Forsthaus Aurora auf.
Wanderer, Radfahrer und Waldarbeiter bekamen bei Gertrud Pfeuffer deftige Brotzeiten wie Eier mit Speck oder auch selbstgebackene Kuchen. Wild aus dem Wald des Fürsten Löwenstein galt als besondere Spezialität. Diese 30-jährige Tradition möchte Stefan Pfeuffer mit seiner Frau Sandra nun fortsetzen. (Main-Echo, 03.11.2008)
Der Margaretenhof, nur eine Dreiviertelstunde zu Fuß entfernt, auf halbem Wege von Wombach, ist seit ein paar Jahren nur noch ein privates Wochenend-Domizil für grossstädtische Mieter. In Aurora aber wird die Tradition mit den Pfeuffers weiterleben.
(von Roland Pleier/1996) |