Ausflugstipp zum Wochenende: Wanderung zu idyllischem Waldschlösschen im Spessart
449 Meter hohe Karlshöhe (Telefon 09394/448)
Wanderschänke: zünftige Wanderbrotzeiten, eigene Hausschlachtung, fürstliche Getränke
Auf Ihren Besuch freut sich Familie Mandrek.
- Montags Ruhetag -
Ein schönes Ausflugsziel im Spessart ist das seit sehr vielen Jahren beliebte und bekannte, idyllisch gelegene Forsthaus "Karlshöhe" - ein Ziel für Wanderer aus nah und fern.
Erinnerungen an Jagdglück im fürstlichen Forst
Frühsommer und Herbst sind die besten Jahreszeiten für einen Ausflug in den Spessart. Da legt der Wald seine schönsten Kleider an. Die Wanderer können alle paar Schritte etwas von den heimlichen Schätzen des großen Waldes entdecken.
Im Ostspessart gibt es zwei Ausflugsziele, die alle anderen an Attraktivität übertreffen, weil sie außer ihrer idyllischen Lage auf einer nahtlos mit Hochwald bestandenen Kuppe auch mit einer labenden Waldschenke locken und nur per pedes zu erreichen sind: Aurora und die Karlshöhe.
Es gehört ohnehin zum Schönsten, wenn während und nach einer ausgedehnten Waldwanderung nicht nur Augen, Herz und Verstand zu ihrem Recht kommen, sondern auch der Gaumen.
»Karlshöhe« ist nicht nur der Name für eine Bergkuppe, die auf 449 Meter hinaufreicht. So bezeichnet werden auch das dortige Jagdschlösschen des Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und das ehemalige fürstliche Forsthaus, in dem sich heute die Waldschenke befindet.
Fürst ließ Karlshöhe errichten
1818 ließ Fürst Karl von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg das Jagdschlösschen auf der Karlshöhe errichten. Es brannte 1843 ab. 1844 baute man umgehend ein neues, das bis zum heutigen Tag nach erfolgreichen Jagden den Rahmen für traditionelle Feierlichkeiten bildet. Außen, mehr noch im Innern ist dieses Jagdschlösschen mit Trophäen geschmückt, die von vergangenem Jagdglück erzählen:
Gehörne von Rehböcken, starke Hirschgeweihe und kapitale Keilerwaffen von männlichen Wildschweinen.
In dem mittlerweile schon legendären Buch »Die Jagd im Spessart« von Paul Craemer aus dem Jahr 1892 berichtet der Verfasser über den löwensteinischen Wildpark.
Vorab sei auf eine jagdliche Besonderheit hingewiesen: Wenn man durchs untere Hafenlohrtal fährt - egal ob von Windheim oder von der Lichtenau kommend - muss man über grobe Eisenroste durchs löwensteinische Wildgatter hindurch.
Dieser wuchtige Zaun, der nur dem Zweck dient, das Wild zurückzuhalten, wurde laut Craemer in den Jahren 1817 bis 1819 errichtet und umschließt bis heute eine Fläche von 3400 Hektar Wald. Es soll sich dabei um »einen der größten und vorzüglichsten Privatwaldgarten für Edelwild in Deutschland« handeln.
Craemer berichtet, dass in den Jahren 1820 bis 1822 aus den fürstlichen Besitzungen im Odenwald 80 Rothirsche in den Spessartpark eingesetzt wurden, damit sich durch Kreuzung mit den Spessarthirschen bessere Geweihträger entwickeln sollten. Später wurden zum selben Zweck sogar Hirsche aus Ungarn herbeigeschafft.
Dass die Blutaufrischung durchaus gelungen ist, dafür sprechen die prachtvollen Geweihe der fürstlichen Sammlung im Jagdschloss. Die fürstliche Jagdstrecke betrug in der Jagdsaison 1859/60 39 Hirsche, 55 Schmaltiere, 41 Sauen und Keiler und 70 Überläufer.
Jahrelang große Jagdstrecken
Für den Zeitraum von 1855 bis 1868 weist das »Verzeichnis über die Ausbeute an Wild auf den fürstlichen Wäldern« außer dem klassischen Wildbret noch 40 Auerhähne, zwei Birkhähne, zehn Haselhähne und sieben Wildkatzen aus.
Während in den dann folgenden Jahrzehnten im löwensteinischen Wildpark im Schnitt jährlich 30 Hirsche und 40 Wildschweine erlegt wurden (Pfarrer Link: Klosterbuch der Diözese Würzburg), gilt seit geraumer Zeit die winterliche Jagd des Fürsten Löwenstein und seiner Gäste vor allem dem Schwarzwild.
Ab Ende September bis weit in den Winter hinein wird im Wildpark mehrmals gejagt, wobei regelmäßig hochgestellte Gäste teilnehmen. Die Wirtin der Waldschenke berichtet, dass sie unter anderem schon Peter von Vollenhofen, Sophie von Spanien und Vertreter der Familien Thurn und Taxis und Sayn-Wittgenstein gesehen habe.
Die Schätze des Jagdschlösschens kann man nicht besichtigen. An seiner Außenwand hängen zwar einige lieblos angebrachte Trophäen, doch laut Paul Craemer könnte man in seinem Innern preisgekrönte Hirschgeweihe bestaunen, unter anderem zwei Zwanzigender Abwürfe und zwei ausgebalgte Köpfe von mächtigen Keilern, die bei Treibjagden in den Jahren 1867 und 1868 Geschichte machten, weil sie sich als unbändige Kämpfer erwiesen, die erst nach stundenlanger Hatz und der Tötung bzw. Verwundung vieler Jagdhunde erschossen werden konnten.
Die Spessartwanderer bemerken auf der Karlshöhe außer dem Jagdschlösschen und dem ehemaligen fürstlichen Forsthaus - heute eine verpachtete Waldschenke der Familie Mandrek - ein weiteres interessantes Gebäude auf der weitläufigen Rodungsinsel.
Nach Osten hin säumt ein breit angelegtes, mit Holzschindeln rundum versehenes Gebäude die Lichtung. Auch dieses Haus ist mit Geweihen geschmückt und wird neben dem Schlösschen während der fürstlichen Jagd für Feierlichkeiten genutzt. Es handelt sich dabei um einen alten Bahnhof, der aus dem Gebiet der früheren Tschechoslowakei hergeschafft wurde, wo die fürstliche Familie früher ausgedehnte Ländereien besaß.
Montags ist Ruhetag
Ein Ausflug zur Karlshöhe lohnt allemal! Es gibt dort große Wiesenflächen für die Kinder und auch einen bescheidenen Spielplatz. Der alte Baumbestand aus Traubeneiche, Rotbuche und Kastanie wird von allen Besuchern bewundert. Montags hat jedoch die Waldschenke Ruhetag (Telefon 09394/448).
Die meisten Wanderer kommen nach Auskunft der Wirtin nach halbstündiger Wanderung vom Schleiftor herauf. Zu diesem Ausgangspunkt gelangt man mit dem Auto über die Bundesstraße 8 und Steinmark. 60 bis 70 Minuten braucht man von Lindenfurt im Hafenlohrtal aus, ab Hubertus gar 90 Minuten. Alle Wege sind beschildert.
Die in älteren Wanderkarten aufgeführte Route von der Fürstenbrücke ist nicht mehr markiert und der Weg mittlerweile beschwerlich geworden.
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